Blick ins Buch: Vorwort und Inhaltsverzeichnis - Heileurythmie als Geisteswissenschaft.2

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Blick ins Buch: Vorwort und Inhaltsverzeichnis

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Blick ins Buch:



1. Vorwort von "Heileurythmie als Geisteswissenschaft" als PDF

2. Inhaltsverzeichnis: ist unten am Ende dieser Seite eingefügt



VORWORT aus "HEILEURYTHMIE ALS GEISTESWISSENSCHAFT":

Wie kam es zu diesem Buch? Von Angelika Jaschke, die bis Mai 2016 ver
antwortlich für die Koordination der Heileurythmie innerhalb der Medizinischen Sektion war, wurde ich mit der Aufgabe betraut, die Geschichte der Heileurythmie für die Weltheileurythmie-Konferenz 2016 zusammenzustellen. Diese Aufgabe schien zunächst einfach, da viele Eurythmisten und Heileurythmisten ihre Erinnerungen niedergeschrieben hatten. Erst eine Vertiefung in die Unterlagen, insbesondere die Sichtung in verschiedenen Archiven, wies auf Widersprüchlichkeiten hin. Damit stieg die Komplexität der Aufgabe, und es entstand die Notwendigkeit einer deutlich vertieften Recherche. Es entstand der Eindruck, dass die Schwierigkeiten, mit denen die Fachbereiche der Eurythmie und Heileurythmie bis heute konfrontiert sind, möglicherweise zusammenhängen könnten mit den Problemen, die sich aus den Konflikten der Anthroposophischen Gesellschaft in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts entwickelt haben. Sie scheinen ihre Spuren auch in den Ausbildungsimpulsen und Ansichten zur Eurythmie und Heileurythmie hinterlassen zu haben, ohne dass es den heute tätigen Generationen noch bewusst ist.

Während meiner Recherchen entstand eine vage Ahnung, dass Rudolf Steiner möglicherweise verschiedene Ansätze für die Heileurythmie veranlagt hat, von denen heute eigentlich kein Bewusstsein mehr besteht. Diese Vermutungen bestätigten sich im Verlauf der hier vorgelegten Arbeit und lassen sich durch die umfangreichen geisteswissenschaftlichen Betrachtungen stützen. Rudolf Steiner hat mindestens drei Heileurythmisten in ihrer Ausbildung der Heileurythmie begleitet, deren Ansätze deutliche Unterschiede aufweisen, welche von ihm als zumindest teilweise inauguriert angesehen werden können. Die genauere Betrachtung zeigt, dass sich aus diesem Blickwinkel auch aktuelle    Fragestellungen der Fachbereiche neu beleuchten lassen.
Ursprünglich war geplant, die historische Aufarbeitung zur Heileurythmie sowie diese Arbeit ungefähr gleichzeitig erscheinen zu lassen. Dadurch hätten sich die Geschichte der Heileurythmie-Entwicklung und diese auf Ausbildungsfragen gerichtete berufsfachliche Arbeit gegenseitig ergänzen und beleuchten können. Leider kam es anders, der Versuch, die historische Aufarbeitung zu finanzieren, wurde vorläufig eingestellt. Aus der bisherigen Arbeit an der Historie konnte ein grundlegendes Bild bis ungefähr zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gewonnen werden. Zudem wurde die Ent-wicklung der letzten 15 Jahre vorgezogen bearbeitet, sodass heute ein ziemlich umfangreiches Bild der aktuellen Lage in den ungefähr 40 Ländern existiert, in denen Heileurythmie praktiziert wird.

Wie erst die historische Aufarbeitung in vollem Umfang zeigen wird, wurde die Heileurythmie in den verschiedenen Gesellschaftskonflikten, vor allem zwischen Ita Wegman und Marie Steiner, nahezu vollständig zerrieben. Daraus entstanden Einseitigkeiten im fachlichen Ansatz und Überzeugungen, die bis heute bestehen. Sie sind den Heileurythmisten nicht mehr bewusst und erschweren eine fachliche Auseinandersetzung. Dabei scheinen zwei Elemente den Berufsstand in den vergangenen Jahrzehnten geprägt zu haben, ohne dass diese in ihrer Problematik bewusst gemacht werden konnten: das eine ist das tradierte Wissen, wie Eurythmie und Heileurythmie gemacht werden muss, das sich wie eine Klammer um jedes eigenständige Fragen legte. Auf der anderen Seite steht der überzeugte Wahrheitsanspruch der Eurythmisten, Heileurythmisten und Ausbilder, was die Vermittlung und die Art der Eurythmie und Heileurythmie betrifft.

In den letzten Jahren beginnen immer mehr Eurythmisten, Heileurythmisten und Ärzte, sich von den tradierten Fesseln zu befreien und mit ihren Fragen nach neuen Wegen zu suchen. Jenseits aller äusseren Schwierigkeiten belegen zudem viele in den letzten Jahren durchgeführte Studien die Wirksamkeit dieser Therapie in beeindruckender Weise. Ein erster Masterstudiengang konnte eingerichtet werden, und doch wächst die Frage, wie sich die Heileurythmie als Beruf in der therapeutischen und wissenschaftlichen Landschaft der Länder verankern kann und welche Voraussetzungen an die Ausbildung dazu gestellt werden müssen. Welche Voraussetzungen an die Wahrnehmung und Gedankenbildung werden gefordert, wenn man von einer „Hochschule für Geisteswissenschaft“ sprechen möchte, die die einzelnen Zweige – also auch die Heileurythmie – durchdringen und befruchten soll? Das führte zu der Frage, wie sich eine Heileurythmie-Ausbildung gestalten kann, die den Ansprüchen an eine solche Einrichtung gerecht wird: als einer Hochschulausbildung, als Geisteswissenschaft, als Therapie und als Manifestation eines geistigen Impulses, der in der Gegenwart bis in die Alltagswelt hinein unmittelbare Wirksamkeit entfaltet – und nicht zuletzt als eine Therapie, die die Voraussetzungen mitbringen soll, auch im heutigen Gesundheitssystem anerkannt zu werden.

Es entstand der Entschluss, einen Teil der Wege, die Rudolf Steiner damals für die Eurythmie und Heileurythmie veranlagt hat, selbst neu zu gehen. Ich bekam die Möglichkeit, im Rahmen eines knappen Arbeitsjahres in die Anfangszeit der Eurythmie und Heileurythmie einzutauchen und entstehende Fragen anhand des Werks Rudolf Steiners selbst zu vertiefen. Es gehört zum Schicksal dieses Buches, dass diese Arbeit in nahezu vollständiger Stille geleistet werden musste, um den alten Spuren nachzugehen und Irritationen zu vermeiden. Dieser bewusste Verzicht auf bisher Gelerntes, auf Ansichten und Veröffentlichungen von Eurythmisten und Heileurythmisten späterer Generationen (die mir durch die Erstellung der „Bibliographie Heileurythmie“ vertraut waren), welche die Anfänge jedoch selber nicht mitgemacht hatten, führte zu unerwarteten Entdeckungen und Einsichten.
Meine Erfahrung mit diesem Versuch zeigte zunächst, wie schwierig es ist, die Gewohnheiten eines langjährig geschulten Bewegungsleibes, wie es der des Heileurythmisten ist, zu umgehen, um noch einmal auf eine ganz neue Weise ein Bewegungs- und Sinnesstudium zu ergreifen, wie es Rudolf Steiner damals veranlagt hat. Ich hatte das Glück, für diese Arbeit zeitlich freigestellt zu sein und keine eurythmischen oder heileurythmischen Aufgaben zu haben. So konnte ich vollständig in diese Anfänge der Eurythmie eintauchen.

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich sagen, dass die von Rudolf Steiner angelegten frühen Bewegungsansätze mit Lory Maier-Smits eine enge Beziehung zu den Mantren der 1. Klasse haben und die Möglichkeit zur aktiven Entwicklung der Bewusstseinsseele in sich tragen. Im Weiteren stellt sich die Frage, ob sich die Bewegungsansätze in der seither erfolgten Entwicklung verschoben haben, ohne dass  davon ein wirkliches Bewusstsein existiert. Da der Heileurythmie-Kurs mehrere Jahre vor dem Laut- und Tonkurs gehalten wurde, erweitert sich die Fragestellung zusätzlich. Manches wird im Vergleich zu bisher Gelerntem widersprüchlich erscheinen. Wer sich darauf einlässt, die verschiedenen Gesichtspunkte bei Rudolf Steiner durchzuarbeiten, wird bemerken, dass sich die Widersprüche auflösen.

In dieser Arbeit wird eine 5-jährige Ausbildung zum Heileurythmisten vorgestellt. Es ist zu hoffen, dass in dieser Zeit die konstitutionelle Umwandlung geleistet werden kann, die notwendig ist, damit die eurythmischen Übungen als beseelte und ätherisch geformte „Bewegungsmedikamente“ gebildet werden können. Wer die Vorschläge zum Aufbau einer Ausbildung studiert, dem werden die zahlreichen Schwierigkeiten deutlich, eine derartige Ausbildung zu realisieren. Das Anliegen der Autorin ist, zu fragen, was notwendig ist, um jungen Menschen der heutigen Zeit in sinnvoller Weise in einen Beruf zu helfen, welcher sie möglicherweise ein Leben lang als Therapeuten beschäftigen wird und sich nicht so einfach erklären lässt, wie andere anerkannte medizinische Berufe. Denn die Wirksamkeitsprinzipien der Heileurythmie sind dem schulmedizinisch ausgebildeten Mediziner nicht unmittelbar zugänglich.
Dieses Buch ist für Ärzte, Heileurythmisten und Eurythmiestudenten geschrieben, die die ein oder andere Aufgabenstellung vertiefen und selbst erleben möchten. An ausgewählten Stellen sind daher Hinweise mit Übangaben im Text eingefügt, die einen Gedankengang erfahrbar machen sollen oder einen neuen Gedankengang einleiten. Diese Vorschläge können auch für ausgebildete Eurythmisten und Heileurythmisten interessant sein, weil sie auch für sie noch erhebliche Überraschungen bergen: durch langjähriges Üben meint man, die Übung doch zu kennen - tatsächlich ist sie ganz anders auszuführen - damit einhergehend stellen sich überraschend neue Wahrnehmungen, Erlebnisse und Einsichten ein, die auf eine methodische Grundlage Rudolf Steiners beim Anlegen der Eurythmie hinweisen und nach jetziger Erkenntnis auch durch die Weiterentwicklung der Eurythmie zu Steiners Lebzeiten nicht aufgehoben wurden.
Der Leser wird im Rahmen dieser Arbeit bemerken, dass in einigen Kapiteln umfangreich auf Zitate Rudolf Steiners zurückgegriffen wurde. Steiners Darstellungen, wenn es sich um konkrete Beschreibungen geistiger Tatsachen handelt, sind häufig äusserst vielschichtig. Da viele der hier in dieser Arbeit herausgearbeiteten Positionen in den Fachbereichen bislang nicht aufgearbeitet worden sind und zum Teil konträr betrachtet werden, schien es mir sinnvoll, die Zitate im Ganzen einzufügen, damit sich der Leser ein eigenes Bild von den Darstellungen Rudolf Steiners machen kann.

Der umfangreiche Themenbereich, der in diesem Buch zum Teil erstmals ansatzweise betrachtet wird, hätte eigentlich einer interdisziplinären Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche und somit mehrerer Menschen bedurft. Das Schicksal wollte es, dass ich diese Aufgabe zunächst alleine leisten musste. Trotz des Umfangs dieses Buches kann diese Arbeit daher nur als ein erster Keim angesehen werden.



 
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