Tagungebericht Fachtagung Februar 2018 - Blog - Heileurythmie als Geisteswissenschaft.2

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Tagungebericht Fachtagung Februar 2018

Herausgegeben von Beatrix Hachtel in Fachliche Themen · 19/3/2018 23:16:58


WAS IST HEILEURYTHMIE, WAS IST EURYTHMIE? – GEISTESWISSENSCHAFT?

Ein kurzer Bericht über die Tagung vom Februar 2018 im Studentenwohnheim am Goetheanum


Diese Tagung drehte sich um meine letzte Buchveröffentlichung, "Heileurythmie als Geisteswissenschaft". Meine Studien über die Anfangszeit der Eurythmie und Heileurythmie – zum einen in den verschiedenen Archiven, zum anderen anhand von bis dahin mir völlig unbekannten Angaben Rudolf Steiners – hatten mir eine intensive „zweite Lehrzeit“ beschert, die meinen eigenen Blick auf meinen Beruf grundlegend revolutionierte und mein bisheriges professionelles Weltbild ziemlich ins Wanken gebracht hat. Das im September vorgelegte, mit 444 grossformatigen Seiten sehr umfangreiche Buch bearbeitet eine Fülle von Themen aus der Anfangszeit der Eurythmie und Heileurythmie unter dem Gesichtspunkt, was Rudolf Steiner zu verschiedenen Themen wirklich gesagt hat, welche Angaben er machte, wie er die frühen Eurythmisten und insbesondere Heileurythmisten persönlich geführt hat. Das Resultat ist eine ganz neue Sichtweise auf das, was ein Heileurythmist wissen und können sollte, wie seine Zusammenarbeit mit dem Arzt aussehen kann und welche Folgen das für einen Ausbildungsgang hat.

Nachdem sich bereits ein Teil der Ausbilder mehr oder weniger intensiv mit dem Buch beschäftigt hat, fand nun letztes Wochenende eine Art „Übersichtstagung“ zu dieser Thematik statt, um auch jenen Kollegen einen Einblick zu verschaffen, die alleine schon aus Zeitgründen nicht in der Lage sind, ein derart umfangreiches Buch zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn gründlich durchzuarbeiten. Und die spannende Frage war: was hält denn nun der Kollegenkreis von diesen Ausführungen – sind sie nachvollziehbar? Werden die sehr ungewohnten Übansätze angenommen, die dem Zweck dienten, den eigenen jahrzehntelang geschulten professionellen Ätherleib auszutricksen um sich noch einmal ganz neu und von vorne beginnend auf die Anfangszeit der Eurythmie und die spezifische Wirksamkeit der ersten Angaben Rudolf Steiners einlassen zu können? Wie würden die Kollegen auf die Fundstellen reagieren, die starke Hinweise dazu geben, dass sich in der Praxis der heileurythmischen Lautausübung Verschiebungen eingestellt haben, die möglicherweise die Wirksamkeit einzelner Übungen verändern? Gelingt es, mit den Kollegen auf der einen Seite einen wahrnehmendem, auf der anderen Seite einen denkerischen Ansatz zu den eurythmischen Bewegungen zu finden, oder sitzt die 80-jährige Überzeugung, die Eurythmie und damit auch die Heileurythmie sei eine Kunst, so tief, dass sie jede neue Fragestellung verhindert? Mit diesen und vielen weiteren Fragen gingen wir – auch Werner Barfod (vormaliger Sektionsleiter der redenden musizierende Künste und langjähriger Ausbildungsleiter in Den Haag) und Ronald Templeton (Waldorflehrer und Zweigleiter am Goetheanum) waren mit von der Partie – in das Wochenende. Und: es wurde toll, eine inhaltlich volle, runde Tagung, in der nur eines immer zu kurz kam: die Zeit selber... wir brauchen mehr Zeit!

Umrahmt vom musikalischen Können von Stephan Beer, der mit seinem Cello jeweils zu Beginn der Vorträge einen wunderbaren Herzraum eröffnen konnte, arbeiteten wir uns durch die verschiedenen Biografien der ersten Heileurythmistinnen und die Fragestellungen, mit denen sie an Rudolf Steiner herangetreten waren oder die Rudolf Steiner in ihnen angeregt hatte. Die Naturbeobachtungen konnten wir am späten Nachmittag im Schneefall an einem Obstbaum im Garten des Studentenwohnheims am Goetheanum machen, unter dem bereits ein ganzer Teppich an Schneeglöckchen blühte. „Baum im Winter“ – es ist beeindruckend, wie viel man von eurythmischer Seite her alleine schon an einem kahlen Baum und seinem Baumstamm sehen kann, obwohl noch nichts wächst, der Frühling noch nicht begonnen hat, die Vegetationsperiode noch Pause hat! Wenige Meter weiter, in benutzerfreundlicher Höhe von nur 2 m, beehrt das "Gegenteil" einen Baum: eine grünende, blühende und fruchtende Mistel, in runden Büschen voller Leben an den Bäumen hängend. Was Mistel ist – unser Krebsheilmittel – versteht man eigentlich erst, wenn man einmal den Baum im Winter studiert hat, und dann zum selben Zeitpunkt das blühende und fruchtende Leben der Mistel entdeckt! Hier waren uns also gute Geister hold, dass die Auswahl der Goetheanum-Raumplanung uns gerade das Studentenwohnheim zugeteilt haben!

Die freien Aussprachen am Samstagabend und Sonntag brachten dann auch in keiner Weise irgendeine Form von Ablehnung oder Reserviertheit. Eine Teilnehmerin sagte zu mir spontan im Türrahmen: „Das ist ein wirklicher Neuanfang“. Eine andere Teilnehmerin, die selber intensiv mit Ausbildungsfragen beschäftigt war, sagte dazu: „Das ist ein Keim für ein neues Verständnis“.

Ein Tagungsbericht wurde inzwischen von Ursula Adolf im Rundbrief des deutschen Heileurythmie-Berufsverbandes BVHE vom April 2018 veröffentlicht.

Wir werden sehen, was sich als weiterer Keim aus dieser ersten Wochenendtagung an Initiativen entfalten wird. Ich schaue dankbar in die Zukunft und danke allen Mitstreitern!





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