08/2018 - Blog - Heileurythmie als Geisteswissenschaft.2

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Peter Selg, "Der Kampf um die Heileurythmie"

Herausgegeben von Beatrix Hachtel in Fachliche Themen · 8/8/2018 22:35:24



Zur Neuerscheinung von Peter Selg:
„Der Kampf um die Heileurythmie

im Spannungsfeld von therapeutischer Gemeinschaft, Anthroposophischer Gesellschaft und Hochschule“



Prof. Dr. med. Peter Selg, Leiter des Ita Wegman Instituts in Arlesheim, hat zu meiner grossen Überraschung und Freude die historische Seite der Entwicklung der Heileurythmie dargestellt und mit Dokumenten untermauert. Damit ist meine Arbeit „Heileurythmie als Geisteswissenschaft“, die in Fachkreisen zu Diskussionen und Aufregung geführt hat, von berufener und kompetenter Seite ergänzt worden.

Der Buchtitel deutet auf die Dramatik der Ereignisse hin, in die die Heileurythmie in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts durch die grossen Konflikte zwischen Ita Wegman und Marie Steiner geraten ist und in dem nachfolgenden Gesellschaftskonflikt nahezu ganz aufgerieben wurde. Selg ist damit ein grosser Wurf gelungen, der die Entstehung der Heileurythmie und ihre inhaltliche Erarbeitung und Ausbreitung in den ersten Jahren ihres Bestehens umfangreich beleuchtet.

Seine Darstellungen umfassen die Zeit, über die auch ich selber für die Historie bereits recherchiert hatte. Da die ausführlichere Darstellung der Thematik ursprünglich für die (in den letzten Jahren vom Fachbereich Heileurythmie in der Medizinischen Sektion auf Eis gelegte) Historie zur Heileurythmie vorgesehen war, habe ich in meinem Buch nur die zum Verständnis unserer Lage unbedingt notwendigen Linien skizziert. Es ist mir nun eine grosse Freude zu sehen, dass Peter Selg sich des Themas angenommen hat, und zu erleben, wie ein kompetenter und renommierter Autor das historische Material ordnet und präsentiert, das ich im Rahmen meiner Recherchen zum grössten Teil ebenfalls gefunden und in einem ersten Schritt bearbeitet hatte.

Was Peter Selg hier vorlegt, ist – anders als der Klappentext das vermuten lässt – nicht nur eine Darstellung der verschiedenen historischen Konfliktlinien, sondern eine umfangreiche Dokumentation zur Geschichte der Heileurythmie und ihrer Entwicklung. Sie deckt die Zeit bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts mit nur wenigen Ausnahmen nahezu vollständig ab. Mit diesem Buch liegt somit ein detailliertes Bild der Geschichte und Ausbreitung der Heileurythmie aus den ersten Entstehungsjahren vor und bildet damit die notwendige Ergänzung zu meiner berufsfachlichen Arbeit.

Die Darstellungen und die Publikation des Briefwechsels zwischen Marie Steiner und Ita Wegman und auch anderen Beteiligten wie Elisabeth Baumann und Erna van Deventer, machen vieles verständlich, was wir heute als traditionelle Überzeugung vorfinden und was zum grossen Teil nie hinterfragt worden ist. Den meisten Kollegen ist wohl bewusst, dass die überlieferten Ansichten zu manchem im Widerspruch stehen, was Rudolf Steiner selbst zu dem einen oder anderen Thema gesagt hat, insbesondere was Ausbildungsfragen betrifft. – Das vergangene Jahr zeigte, dass vielerorts die Kraft fehlt, sich diesen offensichtlich tief verwurzelten und auf traditionellen Überlieferungen beruhenden Überzeugungen gegenüberzustellen und sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Unter diesem Aspekt spricht dieses Buch eine unmissverständliche Sprache. Es ist zu hoffen, dass die an manchen Stellen durch ihre Deutlichkeit erschütternd wirkenden Zeitzeugnisse zu einer Katharsis und einer Neubesinnung führen werden. Mit dem Buch von Selg und meiner Arbeit liegen nun Beurteilungsgrundlagen vor, die für die Ausbildungsfragen und berufliche Praxis als relevant erachtet werden müssen.

Jenen Kollegen, die den Beruf, die Eurythmisten und Therapeuten und die historischen Hintergründe zu unserer heutigen Lage besser verstehen möchten, ist dieses Buch unbedingt zu empfehlen, es ist ein „Muss“. Der Buchtitel übertreibt nicht.





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